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Les Éléments mit einer Weltpremiere


Sonntag, 19. Mai um 17 Uhr im Franziskaner-Konzerthaus
Konzerteinführung Musik im Gespräch mit Achim Fiedler um 16.30 Uhr

Mit Armando Arens und Nikita Voronin vom Bayerischen Juniorballett München im Rahmen der Kooperation Tanzland mit dem Kulturamt Villingen-Schwenningen, Choreografie: Florimond Poisson

Wolfgang Amadeus Mozart: Marsch in D, K 335
Jean-Féry Rebel: Les Éléments, Symphonie nouvelle (Auswahl)
I. Le cahos
II. Loure I: La terre et l"eau
III. Chaconne: le feu
IV. Ramage: l"air
X. Tambourins I – II

Tänzer des Bayerischen Juniorballett München zeigen eine eigens für diese Aufführung entwickelte Choreografie

Joseph Haydn: Sinfonie A-Dur Nr. 59 “Feuer”
Ludwig v. Beethoven: Romanze F-Dur für Violine und Orchester
Solistin: Marija Lauenstein, Violine

Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie D-Dur KV 297 „Pariser Sinfonie“



In diesem Konzert widmet sich Achim Fiedler den Elementen. Der Barockkomponist Rébel, der am französischen Hof Karriere machte, erweist seinem Namen Ehre und wagt am Anfang seiner Symphonie nouvelle etwas bis dahin Unerhörtes: Er stapelt sämtliche Töne der Tonleiter übereinander. In der Moderne würde man das einen „Cluster“ nennen. Rébel schöpft aus diesem elementaren, chaotisch klingenden Anfang Energie für die nachfolgende Ordnung der Tänze wie Loure, Chaconne und Airs. Zur Weltpremiere wird die Aufführung von „Les Éléments“ durch die eigens entwickelte Choreografie von Florimond Poisson, getanzt von Armando Arens und Nikita Voronin vom Bayerischen Juniorballett München. Im Rahmen der Kooperation Tanzland mit dem Kulturamt der Stadt sind die jungen Tänzer für einige Projekte vor Ort.

Der 1. Satz von Haydns Sinfonie Nr. 59 ist mit Presto überschrieben, ein höchst ungewöhnliches Tempo für einen frühklassischen Kopfsatz und lässt sogleich den Gedanken an ein sich ausbreitendes Feuer aufkommen. Im ruhig gestimmten 2. Satz brechen die Hörner mit einem offenbar damals bekannten Feuer-Warnsignal hervor. Zwischen 1772 und 1779 spielte Carl Wahrs Schauspielkompagnie in Esterháza, und es anzunehmen, dass bei der Aufführung von Friedrich Wilhelm Grossmanns Stück Die Feuersbrunst Haydns Sinfonie Nr. 59 als Zwischenaktmusik verwendet wurde.
Gerahmt wird das Programm durch in Paris entstandene Werke Mozarts und Beethoven, die jeweils die Komponisten von einer ganz besonderen Seite zeigen: Wir erleben einen Klassiker mal ganz romantisch: Beethoven als empfindsamen Schöpfer einer neuen Gattung, die in der Romantik zu großer Beliebtheit gelangen wird: die Romanze. Hier erleben Sie die Konzertmeisterin des Orchesters, Marija Lauenstein, als Solistin. Die Romanze in F, in der Tonart der Frühlingssonate und der Pastorale, weist den Komponisten als Mitbegründer einer besonderen Art des Konzertstücks aus, das durch seinen kantablen Charakter die romantische Gattung des „Lieds ohne Worte“ vorwegnimmt. Mit der zugrundeliegenden Idee einer instrumentalen Erfindung aus dem Gesang heraus diente das Werk bis ins 20. Jahrhundert hinein als Vorbild von Romanzenkompositionen zahlreicher Komponisten.
Und zum Abschluss des Programms erleben wir Mozart, der sein Glück in Paris sucht und Orchestereffekten durchaus nicht abgeneigt ist. Mozart erhielt zunächst einen Auftrag für eine Bläser-Concertante, die aber nie aufgeführt wurde. Dann kam einen neuer Auftrag von Joseph Legros: Er sollte eine große Sinfonie für das Concert spirituel schreiben. Mozart nahm an und spielte die fertige Sinfonie am 12. Juni 1778 am Klavier vor. Allerdings änderte er auf Anraten von Legros den zweiten Satz komplett. Gemäß der französischen Mode ist die Sinfonie nur dreisätzig. Dem Publikumsgeschmack zuliebe opferte Mozart das für Wiener Sinfonien so typische Menuett, aus dem schließlich der Ländler und dann auch der Walzer hervorgegangen ist. Nicht nur in der kompletten Änderung des zweiten Satzes zeigt sich, wie sehr Mozart versuchte, dem Pariser Publikum zu gefallen. Der erhoffte Sensationserfolg muss ihm auch im Hinblick auf den nachfragenden Vater sehr wichtig gewesen sein, sonst hätte er nicht so oft und ausführlich darüber berichtet. Fast auf jeder Seite des Autographs hat Mozart gestrichen, radiert und verbessert. Für die „dummen Esel“ bietet die Sinfonie neben viel Effekten (z. B. Fanfaren, Dreiklangsmelodik, virtuose Läufe) insbesondere im ersten und dritten Satz einfache und einprägsame Melodien, regelmäßig werden Abschnitte wiederholt. Und trotzdem, es ist unbestritten echter, wunderschöner Mozart.