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Voller Frühling


Sonntag, 17. März 2019, 17 Uhr
Um 16.30 Uhr Einführung „Musik im Gespräch“ mit Achim Fiedler

Karl Goldmark: Im Frühling – Ouvertüre, op. 36
(1830-1915)

Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert B-Dur K 595
(1756-1791)
Solist: Oliver Triendl

Robert Schumann: Sinfonie Nr. 1 B-Dur Frühling, op. 38
(1810 -1856)




Im März steigt die Sehnsucht nach dem Frühling, nach den ersten sprießenden Pflanzen, nach wärmender Sonne, nach Aufbruch, also ist der Frühling ein wunderbares Motto für dieses Konzert.
„O wende, wende, deinen Lauf/Im Thale blühet Frühling auf“, heißt es in einem Frühlingsgedicht von Adolf Böttger – die Zeilen waren der erste Impuls für Schumann zur Komposition seiner ersten Sinfonie, der „Frühlingssinfonie“. Schumann muss in diesem Januar 1841 einen wahren Schaffensrausch erlebt haben: In nur vier Tagen entstand die komplette Partiturskizze. "Ganz selig" sei er gewesen, gestand er später, als er die Sinfonie "in feuriger Stunde" komponiert habe: "Ich schrieb die Sinfonie, wenn ich sagen darf, in jenem Frühlingsdrang, der den Menschen wohl bis in das höchste Alter hinreißt und in jedem Jahr von neuem überfällt. Schildern, malen wollte ich nicht; dass aber eben die Zeit, in der die Sinfonie entstand, auf ihre Gestaltung, und dass sie grade so geworden, wie sie ist, eingewirkt hat, glaube ich wohl." Schumann war zu diesem Zeitpunkt 31 Jahre alt, frisch verheiratet und hatte gerade das schaffensreiche "Liederjahr" (1840) erlebt, in dem er sich zahlreichen Gedichtvertonungen gewidmet hatte. Die Frühlingssinfonie ist allerdings kein klingendes Frühlingsgemälde Trotz des "blumigen" Titels und der ursprünglichen bildhaften Satzüberschriften - Frühlingsbeginn, Abend, Frohe Gesellen, Voller Frühling – die Schumann vor der Drucklegung wieder getilgt hat - Die Sinfonie ist keine Programm-Musik, sondern fügt sich nahtlos ein in die klassische Sinfonietradition in der Nachfolge von Beethoven und Schubert. Vor allem Schuberts Große C-Dur-Sinfonie war für Schumann Vorbild und Inspirationsquelle.

Frühlingsgefühle pur atmet auch die Ouvertüre „Im Frühling“ von Karl Goldmark. Goldmark war zu Ende des 19. Jahrhunderts ein sehr populärer Komponist, der mit Superlativen überhäuft wurde. Jean Sibelius, zeitweiliger Schüler von Goldmark ab 1890, schrieb 1892, dass er in Wien einen außerordentlichen Ruf habe und man vielerorts beneidet würde, sein Schüler zu sein. Julius Korngold, Nachfolger von Eduard Hanslick, sprach sogar vom „Goldmark-Kultus“. Eben jener gefürchtete Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick, der Goldmark auch schon vorgehalten hatte, giftflammende Blüten aus dem Orient herüberzubringen und Nachtigallen aus Bayreuth, war von dessen Frühlingsouvertüre beglückt und fand darin überall Finkenschlag und Lerchentriller, wie man ihn nicht natürlicher wünschen kann.
Goldmark, mit Brahms befreundet, wurde nach dessen Tod gewissermaßen als der letzte Exponent des sich verlierenden spätromantischen Zeitalters angesehen, wobei die ungarische Musikwelt ihn als „Nationalkomponisten“ bis heute mit größerer Aufmerksamkeit bedacht hat. Sein bekanntestes Werk ist die 1875 uraufgeführte Oper Die Königin von Saba, mit der er über Nacht berühmt wurde. Seine Opern standen überall auf dem Spielplan, bis die Nationalsozialisten ihr Verdikt über diesen Komponisten sprachen, nach 1945 bot der Musikbetrieb Wiens Goldmark praktisch keinen Raum mehr. Wir freuen uns, Ihnen dieses schwungvolle und glänzend instrumentierte Werk zum Auftakt unseres Konzertes präsentieren zu können.

Der Grundklang von Wolfgang Amadeus Mozarts letztem Klavierkonzert ist Sanftmut, in der Sehnsucht anklingt. Wonach? Drüber gibt es keinen Zweifel: Das Rondo-Thema verwendete Mozart kurz darauf auch im Frühlingslied Sehnsucht nach dem Frühlinge, das unter dessen erster Textzeile volkstümlich geworden ist: Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün.